SAMMLUNG MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST

Albert Faubourg
geboren 1893 in Paris

savon dur (1932)
Objekt/rosa Seife ca. 5 x 8 cm/Schamhaare



Die frisch restaurierte Arbeit des dem Surrealismus zugewandten und früh verstorbenen Künstlers Albert Faubourg aus dem Jahre 1932 ist ein eigenwilliges wie stummes Objet d`art. Das erstmalig im Rahmen der Ausstellung Exposition Surrealiste d`objets in der Galerie Charles Ratton in Paris 1936 gezeigt wurde. Die Arbeit wurde in einer grossen Vitrine neben mittlerweile viel bekannteren Exponaten wie z.B. Marcel Duchamps Flaschentrockner präsentiert.
Die Arbeit besteht aus einem Stück rosa Seife der Marke «le Savon du Marseille», wie sie damals in vielen Haushalten anzutreffen war und in Frankreich weit verbreitet war, in welche Schamhaare eingearbeitet sind. Die Oberfläche der Seife ist nicht länger glatt und glänzend sondern durch kleine, abstehende Haare durchdrungen, kleinen, feinen Stacheln gleich. Die Seife steht nicht länger für Reinheit  und kann in ihrer Funkion wahrgenommen werden, sondern ist vielmehr selbst ein Quell der Verunreinigung. Wenn die Arbeit auch keine klare Deutung zulässt so erinnert sie optisch doch in erster Linie an primäre Geschlechtsteile, wahlweise eine behaarte Vulva oder an Hoden beim Manne. Eine Ode an die tägliche Intimpflege im bide, wo «Verschmutzung» und  «Reinlichkeit» unmittelbar aufeinandertreffen?
Ob es sich in der Arbeit um die Schamhaare des Künstlers selber oder um fremde handelt ist nicht bekannt. Das Objekt hat überlieferungen zufolge vor allem Ekel und Unverständnis ausgelöst und kam kurz nach Ausstellungseröffnung unter Verschluss. Nur auf drängen von Marcel Duchamp wurde die Arbeit ein weiteres Mal in der Galerie «Guggenheim Jeune» in London gezeigt wo sie jedoch keinen Käufer fand und zurück nach Paris gelangte.

 

Saskia Zgraggen
geboren 1976 am Bodensee

words out of dirt (2006)
Film, 16 mm, Loop

Eine Person mit Wassereimer, Seife und  Handschrubber putzt die mit weisser Kreide auf Asphalt (Strasse, Platz) versal geschriebenen unanständigen und umgangsprachlichen Wörter, Bezeichnungen und Redewendungen weg, während  (gleichzeitig im Film, Trick!) die selbe Person «weiter im Text,» einige Zeilen weiter fortfährt Wörter hinzuzufügen. Es ist kein Ende in Sicht. Von oben wird in einer Totalen die Szenerie gefilmt, die Kamera folgt dabei langsam den Akteuren, respektive hat immer beide Personen im Blickfeld. Passanten kommen und gehen, verweilen manchmal. Die Arbeit thematisiert die (auch individuelle, im eigenen Kopf stattfindende) Zensur der von der Norm abweichenden (Sexual-) Praktiken und Neigungen und der ihr oft einhergehenden abschätzigen Bezeichnungen. Die nicht enden wollende Aufzählung deutet auf Vielfalt, Variation und Verbreitung dieser so genannten «Perversionen» und Spielvarianten. Die Öffentlichkeit als Austragungsort von Offenbarung und Verdammung, im Spannungsfeld zur Intimsphäre eines jeden und einer jeden einzelnen. Wasser und Seife als klassisches Mittel der Erziehung im Einsatz gegen Verunreinigung, wie sie sprichwörtlich mit «jemandem den Mund mit Seife auswaschen»  zum Tragen kommt.

 Valentina Stieger

geboren 1980 in St. Gallen, lebt und arbeitet in Basel.

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