SAMMLUNG MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST

Casual ist eine Künstler_innen Gruppe, die 1989 gegründet wurde. Einige Werke aus der Serie: Zerstöre den Mythos, befinden sich in der Sammlung des Migros Museums. Zum Beispiel die Videoinstallation Queerscape #1, 2005, Grösse variabel, umprogrammierte Nintendo FamiCom Spielkassette und umprogrammierte Super Mario Spielkassette (RICHTIG: SUPER LANDSCAPE #1 von CORY ARCANGEL, *1978, lebt in New York, siehe unten). Für die stark formalistisch reduzierte Arbeit Queerscape #1 nahmen casual mit Super Mario Bros wohl eines der bekanntesten Spiele als Ausgangsmaterial. Aus dem ursprünglichen Spiel wurden alle grafischen Elemente entfernt – bis auf die Wolken, die langsam vor sich hin treiben. Am monotonen Bildaufbau lassen sich nicht nur Referenzen an die monochrome Malerei festmachen. Genauso kann man queerscapes als von allen kollektiven Erzählungen und Stereotypen befreite Landschaft lesen die bereit ist für das utopische Abbild einer queeren Welt  in der alle friedfertig und solidarisch die Erde bewohnen. Ein neues Selbstverständnis, eine neue Mentalität findet Raum,  aus existenzieller Notwendigkeit. Ein Selbstverständnis, das  alle Lebensformen einschliesst, weil es ein Überleben nur gibt, wenn wir bereit sind, Brüche und Widersprüche nicht nur zuzulassen sondern sie ins konstruktive wenden und produktiv werden lassen.

Es gibt von «Casual» einen radikalen Zweig, bestehend aus einem Teil der Kerngruppe: Die «Gendertaskforce» GTF. Sie arbeitet z. Z. an einem Computervirus der alle Worte und Endungen, die sexuelle Norm, den Geschlechtermythos zementieren, wie z.B. Mann, Frau, männlich, weiblich, ..-in, ..-er, man, etc.  sowie alle Sexismen oder Rassismen die in der Sprache manifestiert sind auf dem Web eliminieren.

Einige Mitglieder von «Casual» arbeiten auch unter ihrem eigenen Namen in der kommerziellen Kunstszene. Z.B. Peter Fischli, *1952 und David Weiss, *1946, aus Zürich, sind mit der Arbeit IN DEN BERGEN (1979), einer fotografierten Bettlandschaft, in der Kollektion des Migrosmuseums vertreten. Auch hier wird ein Mythos zerstört; derjenige, der Skination Schweiz. Anstelle dessen, wird auf verspielte Art schwule Sexualität thematisiert. Die Bettberge werden zur Vision befreiten queeren Lebens.
Desgleichen Ugo Rondinone, *1964, mit der umfangreichen 1995 begonnenen Serie I DON’T LIVE HERE ANYMORE. Rondinone montiert mittels digitaler Bildbearbeitungssprogramme sein eigenes Konterfei auf fotografische Darstellungen aus dem Modekontext. Die oft androgyne Körperlichkeit der weiblichen Models kommuniziert mit der oft melancholischen, sich jeglichem Schönheitsklischee entziehenden Physiognomie des Künstlers. Die immer an mehr oder weniger anonyme Sehnsuchtsprojektionen gebundenen Bilder der Werbemaschinerie der Modeindustrie werden angeeignet und individualisiert.

Es würde den Rahmen dieser Führung sprengen, alle Künstler_innen zu erwähnen die weltweit in zahlreichen Sammlungen vertreten sind, abgesehen davon, dass es nicht bekannt ist, wer alles Teil ist der Gruppe «Casual» und «GTF».

Sabina Baumann

lebt und arbeitet in Zürich. Sie ist bildende Künstlerin, Dozentin an der F+F Zürich und der ZHdK Zürich und Mit-/Organisatorin diverser Projekte mit queer-feministischen Inhalten zB. sexismus productions (1999-2002) und CASUAL, Projekte zum Thema Geschlecht und sexuelle Identität. Ihre Arbeiten wurden in diversen Solo- und Gruppenausstellungen gezeigt.

www.sabinabaumann.ch
www.workingonit.de

 

Hier die entsprechenden Bilder:

assets/Uploads/_resampled/SetHeight300-arcangel.png
Cory Arcangel (Beige), «Super Landscape #1», 2005
assets/Uploads/_resampled/SetHeight300-fischliweiss.png
Fischli/Weiss, «In den Bergen», 1979
assets/Uploads/_resampled/SetHeight300-rondinone.png
Ugo Rondinone, «I Don't Live Here Anymore» 
1997
, Digital prints on cibachrome aus: «
I don't live here anymore», 2000
top