SAMMLUNG MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST

Nietnagel ist an Zeichen, Gesten und anderen Verfasstheiten von Information, Wiederholbarkeit und Erinnerung interessiert. Nietnagel entwirft und bereitet Schmuck. Nietnagels «Bart1« Ring (2008), dieser Abdruck der auf Silber gewalzten «falschen« Wimpern, lässt sich mit Haarschmuck, wie er schon im 18. Jahrhundert bekannt war, in Verbindung bringen. In Mode kam dieser Haarschmuck aber erst im Biedermeier mit dem Aufkommen von  Freundschaftskult und Trauerschmuck. Man vermutete, dass das Haar den Seelenstoff in sich trage und somit eine Verbindung zu dem Menschen herstelle, von dem die Haarlocke stammte. Nietnagels Wimpernring, knüpft auch an Drag Queens und Drag Kings an, die falsche Wimpern tragen. Erkennbar als Wimpern über den Augen getragen oder als Bart über der Oberlippe.

Nietnagels Ring «Bart2« (2008), geschwungene Borte auf Silber gewalzt, verweist auf angeklebte Borte als Bart. Nietnagel sah diesen Bortenbart, der unter der Nase wie ein Schnurrbart funktioniert. Nietnagel übernimmt diese Idee. Der Ring zeigt den Bortenabdruck wie er auf der Oberlippe aussieht. Die Idee überm Mundwinkel, dann am Finger.

Jim Ostrycharczyk

lebt in Hamburg, arbeitet mit Performance, Video, Fotografie und Text zu Formen kultureller Überlieferung und Übertragung. «Rührung und Ekel finde ich reizend. Ansonsten schließe ich mich meiner Kollegin Blessless Mahoney (TuntenimitatorIn) an, die sagt: ‹Ich trage gerne Kleidung!› »

www.noack-ostrycharczyk.com/de/jim_e.html
www.no-os.de

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