SAMMLUNG MIGROS MUSEUM FÜR GEGENWARTSKUNST

Discodach


Der sich in der Sammlung des Migros Museums für Gegenwartskunst befindende Film Discodach von A.K. Wehrli wurde im Jahr 2008 in Erinnerung an einen anderen Film der sich vielleicht auch in der Sammlung befindet und Teil eines Filmprogramms von Elke aus dem Moore war produziert.

Der Film beginnt. Eine Person sitzt auf einem flachen Dach einer Discothek. Dumpf ist die Musik auch auf dem Dach zu hören. Die Person ist von hinten zu sehen wie sie allein auf dem Dach sitzt daneben sind Nadelbäume und vorne die Dämmerung mit einer Bergkette und weiter vorne vielleicht das Meer.
Dann sind wir in der Discothek, eigentlich eher eine grosse Tanzhalle. Alle Leute haben schön geschnittene Hosen und tanzen fast geometrisch walzerartig in verschiedene Richtungen hüpfend zwischen Disco und Ball allein wie ein sich bewegender Kristall, es sind jedoch über hundert Leute im Saal und so ist an dem nichts kristallartiges sondern eher sieht es aus als tanzten alle Leute während sie auf den Zug warten würden ohne ihn zu erwarten. In einer Mischung zwischen konzentriert und nebenbei.
Dies ist ein Film über die vielen Blicke, das ausufernde Flirten ohne Worte und ohne Absichten und das gemeinsame schwenken des Körpers in einem Raum mit Durchzug gerade in einem Moment auf der Kippe, gerade noch bevor sich dann Päärchen sortieren und sich auf den Weg machen um Sex zu haben.
Es geht in diesem Film um die raren Momente des Teilens und Teil seins jenseits des Bemächtigenwollens. Momente wo eine Hose die Person macht. In dieser ist die Person an diesen Ort gelangt und in dieser wird sie ihn wieder verlassen. Eine beschränkte Zeit in der Anmache mehreren Leuten gleichzeitig entgegengeschickt werden kann kurze Zeichen dass man gesehen hat dass die andere Person auch da ist und und in der gleichen Luft schwenkt und wo Blicke nicht ausschliessen müssen und gegenseitiges finden nicht über den Ausschluss anderer ermöglicht wird.
So simpel der Film so sehr löst er bei den Zuschauern eine Aufregung aus eine Spannung zwischen Euphorie, Gesetztheit, angenehmer Wärme und Trauer.

Anne Käthi Wehrli

ist bildende Künstlerin, Performerin und Herausgeberin verschiedener Fanzines («Freundesfreundin» mit Benjamin Sommerhalder, «Hoi ich segle so schön am äigentliche verbi», «Dies kommt mir häufig in den Sinn, vielleicht bin ich gerade in einem Zug und fahre unterschiedlich zeitverschoben an anderen sich vielleicht ebenfalls bewegenden Sachen vorbei» mit Lena Reiser und diverse Kollaborationen) und Mitglied des Duos Krokodilstränensirup.

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